
KI-Summit Germany 2026 - Speaker
Julian Pscheid – Hedy, Speaker Tag 01
Ambient AI – Vom Chatfenster zur integrierten Wertschöpfung
In diesem Vortrag zeigt Julian Pscheid eindrucksvoll, warum die Zukunft von KI nicht im Chatfenster liegt – sondern in der nahtlosen Integration in echte Arbeitsprozesse. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass KI zwar von vielen genutzt wird, jedoch meist isoliert vom operativen System: Man öffnet ein Chatfenster, kopiert Inhalte, erklärt mehrfach denselben Kontext – und am Ende landet das Ergebnis nicht im CRM, nicht im Ticketsystem, nicht im Workflow. KI bleibt außerhalb der eigentlichen Wertschöpfung.
Sein zentraler Gedanke: Was passiert, wenn KI nicht mehr im Fenster lebt, sondern im Workflow?
Die Entstehung von Hedy – von nachgelagerter Analyse zu Echtzeit-Intelligenz
Julian schildert seine eigene Erfahrung aus 25 Jahren Agenturarbeit. Transkripte seiner Verkaufsgespräche lieferten exzellente KI-Analysen – jedoch immer zu spät. Erkenntnisse über Kaufsignale oder übersehene Einwände kamen nach dem Gespräch. Die Chance war vorbei.
Daraus entstand die Frage: Was wäre, wenn die Analyse während des Gesprächs passiert – nicht danach?
So entstand Hedy als Real-Time Meeting Assistance – eine KI, die nicht nur dokumentiert, sondern Denkpartner im Gespräch wird.
Ambient AI – Die neue Entwicklungsstufe von KI
Julian beschreibt eine fundamentale Verschiebung:
KI wird intelligenter – aber vor allem unsichtbarer.
Ambient AI bedeutet:
- Sie wird durch Signale ausgelöst (Meeting endet, E-Mail kommt rein, Deal ändert Status).
- Sie nutzt bestehenden Kontext (SOPs, Kundenhistorie, Prozesse).
- Sie führt Aktionen aus (Follow-ups, CRM-Updates, Risiko-Markierungen).
- Und das alles ohne Chatfenster.
Wichtig: Ambient heißt nicht Überwachung – sondern kontrollierbare, transparente Verfügbarkeit.
Fünf Modi der KI-Integration
- Chat – KI im Fenster
- Co-Pilot – KI assistiert in Tools
- Ambient – KI arbeitet workflow-übergreifend im Hintergrund
- Agentisch – KI übernimmt autonome Aktionen mit menschlicher Aufsicht
- Orchestrierung – KI-Systeme koordinieren miteinander
Der entscheidende Unterschied:
Bei Chat und Co-Pilot arbeitet der Mensch – KI hilft.
Ab Ambient arbeitet die KI – der Mensch prüft.
Die Zukunft ist nicht Prompt Engineering – sondern Kontext Engineering.
Beweise aus der Praxis
Hedy & Intercom
- 2.251 Support-Gespräche
- 82 % KI-Beteiligung
- 939 vollständig autonom gelöst
Das System übernimmt den Normalfall – Menschen übernehmen Ausnahmen.
Cloudbot / Multbot
Lokale KI-Agenten auf dem Mac Mini, mit Zugriff auf Dateien, Apps, Kalender – Kommunikation via WhatsApp oder Telegram.
Trend: KI zieht vom Service ins eigene System.
SAP Joule
Autonome Agenten für Cash Management, Produktionsplanung, Supplier Onboarding.
KI ist nicht mehr Assistent – sie ist Teil der Kernprozesse.
Das Zukunftsbild für kleine Teams
Eine 3-Personen-Beratung kann mit Ambient AI arbeiten wie ein Konzern:
- Leads werden automatisch qualifiziert
- Meetings kontextualisiert vorbereitet
- Follow-ups, CRM-Updates, Notizen erscheinen innerhalb von Minuten
- Budgetrisiken werden erkannt
- Rechnungen & Statusmeldungen automatisiert erstellt
Menschen tun nur noch das, was nur Menschen können: Beziehungen, Urteilsvermögen, Kreativität.
KI als Denkpartner
Ein besonders kraftvolles Szenario:
Während eines Meetings erkennt Hedy Muster aus früheren Gesprächen und gibt genau im richtigen Moment Kontext-Hinweise.
Der Effekt: Nicht Ersatz von Urteil – sondern vollständig informierte Urteilsfähigkeit.
Die 4-Stufen-Brücke in die Umsetzung
- Wähle einen hochfrequenten Workflow
- Baue Signal & Kontext auf
- Erst Assist, dann Automate
- Miss Geschäftsergebnisse, nicht KI-Aktivität
Empfehlung: 30 Tage „Ambient Assist“ auf einem Workflow testen.
Governance & Vertrauen
Julian betont drei Prinzipien:
- Transparenz
- Kontrolle
- Reversibilität
Gerade in Europa ist Governance kein Nice-to-have – sondern Voraussetzung.
Triadische Technologie – Die nächste Evolutionsstufe
Aktuell ist Hedy ein persönliches Empowerment-Tool.
Ziel ist die Teamversion: Ein „Swarm“ von Hedys, die kollektiv mitdenken, Erkenntnisse teilen und Teams gemeinsam unterstützen.
Praxisbeispiel aus einem Führungskräfte-Workshop
In einem Turnaround-Workshop mit 15 Führungskräften analysierte Hedy zwei Tage Diskussionen voller Schuldzuweisungen und Limitierungen.
Die Quintessenz von Hedy: „Be the change you wanna see.“
Präziser konnte der Kern des Workshops nicht formuliert werden.
Zusammenfassung
Ambient AI verschiebt KI vom Chatfenster in Workflows: ausgelöst durch Signale, gespeist durch Kontext, wirksam durch Aktionen. Übergang von Assistenz zu autonomen Agenten. Kleine Teams gewinnen Enterprise-Hebelwirkung. Zukunft ist Kontext Engineering, nicht Prompting. Start: 1 Workflow, 30 Tage Ambient Assist, klare Governance. KI wird Denkpartner – nicht Tool.
Die Bier Challenge, Tag 01
„Vom KI-Brot zum personalisierten KI-Bier – Machine Learning & Fine-Tuning in der Praxis“
In diesem Vortrag wurde eindrucksvoll gezeigt, wie aus einer spielerischen Idee ein tiefgehendes KI-Experiment entstehen kann – mit echtem Praxisbezug, technischen Herausforderungen und unternehmerischem Innovationsgeist.
Lade dir hier die Präsentation zum Vortrag runter:
Ausgangspunkt: KI Solutions aus der Masterclass
Im Rahmen der quartalsweisen KI Solutions-Initiative der KI Masterclass entstehen regelmäßig außergewöhnliche Projekte. Teilnehmende bringen Impulse ein, die weiterentwickelt werden – oft fernab klassischer KI-Anwendungsfälle.
So entstand auch dieses Projekt: Die Idee eines KI-gestützten, personalisierten Bieres.
Die Vision: Ein Bier, das exakt zu dir passt
Die Grundidee war ebenso kreativ wie ambitioniert:
- Entwicklung eines KI-Bier-Empfehlers
- Analyse persönlicher Vorlieben, Lebensstil, Geschmacksmuster
- Generierung eines individuellen Bierstils
- Erstellung eines vollständig neuen, KI-generierten Rezepts
- Umsetzung in der Praxis durch tatsächliches Brauen
Wichtig: Nicht ein bestehendes Rezept adaptieren – sondern ein komplett neu generiertes Rezept, das es so noch nie gab.
Erste Erkenntnis: Machine Learning braucht Daten
Der initiale Ansatz war klassisches Machine Learning.
Dafür wurden:
- 2.500 deutsche Bierrezepte
- 30.000 englische Rezepte
- automatisiert per KI-Browser extrahiert
- bereinigt und strukturiert
Doch zwei zentrale Probleme traten auf:
- Es existieren kaum verknüpfte Daten zwischen Personenprofilen und Biergeschmack.
- Rezepte sind selten qualitativ bewertet – große Marken geben ihre Rezepturen nicht preis.
Erkenntnis:
Machine Learning funktioniert nur mit sauberen, korrelierten Daten.
Diese fehlten für das eigentliche Ziel – die Verbindung zwischen Persönlichkeit und Bierpräferenz.
Generative KI als nächster Ansatz
Ein Custom GPT wurde erstellt, basierend auf einer offiziellen Bierstil-Datenbank (Brewers Judge Certification Program).
Ziel: Personenprofile mit definierten Bierstilen matchen.
Ergebnis:
Theoretisch möglich – praktisch jedoch nicht valide.
Die KI erzeugte oberflächliche, semantische Zuordnungen („samtiger Geschmack = samtige Persönlichkeit“).
Erkenntnis: Semantische Ähnlichkeit ersetzt keine belastbare Datenbasis.
Deep Dive: Fine-Tuning & LoRA-Modelle
Der entscheidende Durchbruch kam über:
- Fine-Tuning lokaler Modelle
- Erstellung tausender Frage-Antwort-Paare
- Training auf spezifische Bierstile
- Integration von Substitutionslogiken für Zutaten
Dabei wurde ein reales Problem sichtbar:
Catastrophic Forgetting
Ein Modell, das ausschließlich mit Bierdaten trainiert wurde, konnte zwar Rezepte generieren – verlor aber die Fähigkeit zu allgemeinen Antworten.
Diese Erfahrung ist hochrelevant für alle, die KI trainieren oder spezialisieren möchten.
Erweiterung: Intelligente Rezept-Generierung mit Zutatenbeschränkung
Ein besonders praxisnaher Use Case:
„Ich habe diese Zutaten. Welches Bier kann ich damit brauen?“
Dafür wurde:
- eine Substitutionsdatenbank integriert
- Brauparameter strukturiert trainiert
- Modelllogik um Regelwerke ergänzt
Ergebnis:
Die KI schlägt realistisch umsetzbare Rezepte vor – inklusive Alternativkombinationen.
Community als Datenquelle
Da valide Daten zu persönlichen Bierpräferenzen fehlen, wurde die Community aktiv eingebunden:
- Fragebogen zur Erhebung von Persönlichkeits- & Geschmacksdaten
- Aufbau eigener Trainingsdatenbasis
- Grundlage für Phase 2: Ein echter KI-Bier-Empfehler
Ein Paradebeispiel für datengetriebene Co-Creation.
Das Zielbild
Langfristige Vision:
- Individuelles Bierrezept als Geschenkidee
- Personalisiertes, einzigartiges KI-generiertes Rezept
- Optional sogar mit Urkunde
- Real gebraut und verkostet
Das erste KI-generierte Rezept wurde bereits umgesetzt und live ausgeschenkt.
Was dieses Projekt wirklich zeigt
Dieses Projekt steht exemplarisch für:
- Experimentierfreude mit KI
- Grenzen von Machine Learning
- Notwendigkeit sauberer Daten
- Potenzial von Fine-Tuning
- Bedeutung von Expertenwissen
- Iteratives Vorgehen
- Verbindung von Theorie und Praxis
Zwei KI-Enthusiasten haben gezeigt, was möglich ist, wenn man KI nicht nur konsumiert – sondern wirklich trainiert, versteht und anwendet.
Zusammenfassung
KI-Bier-Projekt: Entwicklung eines personalisierten Bier-Empfehlers mittels Machine Learning und Fine-Tuning. Analyse von 30.000+ Rezepten, Training spezialisierter Modelle, Umgang mit fehlenden Daten und Catastrophic Forgetting. Integration von Substitutionslogiken für reale Braubedingungen. Community-Daten als Trainingsbasis. Ziel: individuell generierte, real braubare KI-Rezepte.
Rainer Petek, Tag 02
Ungewissheit als Einladung – Das neue Betriebssystem für Führung im KI-Zeitalter
In diesem intensiven Vortrag verbindet Rainer Petek seine jahrzehntelange Erfahrung als Extrembergführer, Organisationsentwickler und Transformationsbegleiter mit der zentralen Frage unserer Zeit
Was bleibt menschlich – wenn KI alles verändern kann?
- Der Wendepunkt in der Wand – Die Metapher für Transformation
Rainer beginnt mit einer persönlichen Grenzerfahrung in einer extremen Kletterroute.
Ein falscher Zug. Kein Rückweg. Zwei Minuten Restkraft. 20–25 Meter möglicher Sturz.
Der entscheidende Moment war nicht körperlich – sondern mental:
Er bemerkte, dass er nur nach unten schaute.
Er wollte jedoch nach oben.
Die Erkenntnis:
Das Risiko der Nichtveränderung war größer als das Risiko der Veränderung.
Er lehnte sich zurück, gewann Perspektive, entdeckte neue Griffe – und kam weiter.
Diese Situation wird zur Blaupause für Führung im KI-Zeitalter.
- Das 4-Dimensionen-Framework für Führung mit KI
Rainer beschreibt ein neues „Betriebssystem“, das vier Spannungsfelder integriert:
Zukunft
- Eine klare Ausrichtung und ein Richtungskorridor möglicher Ziele
- KI hilft bei Szenarien, Mustern, Simulationen
- Der Mensch verantwortet Werte und Sinn
Gegenwart
- Ehrliches Reality Assessment
- Risiken der Veränderung UND Risiken der Nichtveränderung
- KI unterstützt bei Mustererkennung
- Der Mensch trennt Signal vom Rauschen
Aktion
- Mut zu Mikroaktionen
- Simulation und Stresstests vor realer Umsetzung
- Handeln nach dem Prinzip des „leistbaren Verlusts“
Reflexion
- Bewusstes Zurücklehnen
- Strategische Beurteilung
- KI als Sparringspartner
- Weisheit entsteht nur in Stille
Nur wenn diese vier Dimensionen in Balance sind, entsteht echte Handlungsfähigkeit.
- Unternehmerische Logik statt Management-Denke
Ein zentraler Shift:
Management-Denke:
Zuerst Ziel definieren → dann Ressourcen beschaffen → dann handeln.
Problem: Zu langsam in einer sich exponentiell verändernden Welt.
Unternehmerische Logik (nach Saras Sarasvathy):
Starte mit:
- Wer bin ich?
- Was kann ich?
- Wen kenne ich?
Daraus entstehen sofort mögliche Ziele.
Dann kleine Schritte.
Dann neue Mittel.
Dann neue Ziele.
KI erweitert diese Mittel – sie augmentiert uns.
Zukunft wird nicht geplant.
Zukunft wird handelnd erkundet.
- 90%-Modus – Handeln ohne Tunnelblick
Nur wer nicht dauerhaft im Stressmodus arbeitet, kann:
- Reflexion im Handeln integrieren
- Zufälle erkennen
- Chancen nutzen
- KI sinnvoll einbinden
Der 90%-Modus bedeutet:
Nicht Dauerüberlastung, sondern bewusste Energie-Steuerung.
- Demokratisierung von Führung
Führung ist kein Organigramm.
Führung ist ein Energiezustand.
Menschen folgen dann, wenn Führungskräfte:
- Für etwas Größeres brennen
- Den Gesamterfolg über das Ego stellen
- Sicherheit vermitteln
- Signale früh wahrnehmen
- Wertebasiert entscheiden
Das Beispiel des 62-jährigen Kunden Ludwig zeigt:
Menschen wachsen über sich hinaus, wenn Führung echte Entwicklung ermöglicht.
- Duale Prozessgestaltung im KI-Zeitalter
Jeder Prozess besteht aus:
Trivialem Anteil
- Wenn-Dann-Regeln
- Automationen
- Standardisierung
Komplexem Anteil
- Beziehung
- Intuition
- Ethik
- Human in the Loop
KI gehört klar strukturiert in Prozesse integriert:
- Automationen für das Triviale
- Assistenten und Agenten mit Prinzipien
- Der Mensch bleibt Entscheider im komplexen Raum
Ziel: Human Premium statt Commodity.
- Erdung in einer digitalen Welt
KI verändert nicht nur die Arbeit – sie verändert uns.
Deshalb braucht es:
- Natur
- Stille
- bewusste Frequenz-Steuerung
- Alpha- und Gamma-Zustände
- Orte der Erdung
Weisheit entsteht nicht im Dauer-Beta-Modus.
- Die Botschaft der nächsten Dekade
Mit 60 entscheidet Rainer bewusst:
Seine Mission für die nächsten 10 Jahre ist es,
- KI-Transformation zu begleiten
- sie geerdet zu gestalten
- das Beste im Menschen zu aktivieren
Das Bild des 86-jährigen Ludwig am Berg wird zur Symbolik:
Die besten Jahre kommen noch.
- Ungewissheit ist kein Schreckgespenst
Geopolitik. Technologie. KI. Geschwindigkeit.
Ungewissheit kann Angst machen.
Oder sie kann Einladung sein.
Rainers Schlussbotschaft: Seht die Ungewissheit als Einladung, gemeinsam etwas Großartiges zu erschaffen.
Zusammenfassung
Transformation im KI-Zeitalter braucht ein neues Betriebssystem: Balance zwischen Zukunft, Gegenwart, Aktion und Reflexion. Unternehmerische Logik ersetzt starres Management. KI augmentiert, ersetzt aber nicht menschliche Werte, Ethik und Intuition. Führung ist ein Energiezustand. Prozesse brauchen klare Trennung von trivial und komplex. Erdung und bewusste Energie-Steuerung sichern Human Premium. Ungewissheit ist Einladung zur Gestaltung.
Tine Wagenmann, Tag 02
Stabilität trifft Geschwindigkeit – warum Kommunikation der wahre Hebel ist
In diesem Vortrag zeigt Tine Wagenmann eindrucksvoll, warum fachliche Exzellenz allein nicht ausreicht, um komplexe Projekte erfolgreich umzusetzen – insbesondere im öffentlichen Kontext.
Als Architektin und Ingenieurin mit umfangreicher Erfahrung in der Sanierung öffentlicher Gebäude im laufenden Betrieb (Schulen, Museen etc.) bewegt sie sich täglich in hochkomplexen Stakeholder-Strukturen: Bauamt, Schulamt, Politik, Eltern, Projektleitungen, Fachplaner. Unterschiedliche Interessen, Routinen und Geschwindigkeiten prallen aufeinander.
Die zentrale Erkenntnis:
Sie scheiterte nicht an der Fachlichkeit – sondern an der Kommunikation.
Tine beschreibt den fundamentalen Unterschied zwischen „Geschwindigkeit“ und „Stabilität“:
- Geschwindigkeit: Vision, Energie, Innovationsdrang, KI-Affinität, Zukunftsorientierung
- Stabilität: Sicherheit, Routinen, Vertrauen, Verlässlichkeit, bewährte Strukturen
Viele Projektbeteiligte – besonders in Verwaltungsstrukturen – arbeiten seit Jahrzehnten in denselben Routinen. Während Innovationsgetriebene gedanklich bereits „auf dem Mars“ sind, befinden sich andere noch „auf der Erde“.
Die Konsequenz: Wenn wir diese Menschen nicht bewusst abholen, entsteht Widerstand, Blockade und Projektstagnation.
Der Wendepunkt: Bewusste Vorbereitung & Wording-Strategie
Tine begann, ihre Meetings strategisch vorzubereiten:
- Analyse der beteiligten Charaktere
- Erkennen unterschiedlicher Kommunikationsmuster
- Projektbezogene Fragebögen vorab (ideal handschriftlich)
- Beobachtung von Haltung, Wortwahl und Ausdruck
- Integration dieser Erkenntnisse in eine KI-gestützte Reflexion
Durch diese Vorbereitung spricht sie Menschen individuell – im selben Meeting – unterschiedlich an, obwohl es um dasselbe Thema geht.
Ergebnis:
Körpersprache verändert sich.
Frust wandelt sich in Aufmerksamkeit.
Blockade wird zu Engagement.
Entscheidende Einsichten aus der Praxis
- Menschen performen nicht, weil sie nicht können – nicht weil sie nicht wollen
Oft fehlt nicht der Intellekt, sondern:
- die passende Rolle
- die richtige Aufgabe
- ein Umfeld, in dem man Schwäche eingestehen darf
Ein Projektbeteiligter blockierte zwei Jahre lang ein Projekt – nicht aus Widerstand, sondern aus Überforderung. Nach Umverteilung der Aufgabe entstand sofort Fortschritt.
- Angst ist der größte Projektverhinderer
In konservativen Strukturen herrscht:
- Angst vor Fehlern
- Angst vor Verantwortung
- Angst vor Veränderung
Ohne psychologische Sicherheit entsteht keine Bewegung.
- Wenn du es eilig hast – gehe langsam
Tines Mantra zeigt die Essenz ihres Ansatzes:
Je größer der Druck, desto wichtiger wird bewusste Verlangsamung.
Statt sofort Lösungen durchzudrücken:
- Erst stabilisieren
- Bedürfnisse sichtbar machen
- Konfliktpole moderieren
- Sprache bewusst anpassen
So entstehen tragfähige Entscheidungen – auch bei wirtschaftlich sensiblen Themen (z.B. Schadensbewertung bei Gebäuden).
- Human Intelligence schlägt reine Technologie
KI kann analysieren, strukturieren, spiegeln.
Aber Wahrnehmung, Intuition, Körpersprache, Energie – das bleibt menschlich.
Der Gamechanger ist die Kombination aus:
- sozialer Intelligenz
- Selbstreflexion
- KI-gestützter Mustererkennung
- strategischem Wording
Führung in Zeiten von KI: Konfrontation statt Abwarten
Tine plädiert für klare Haltung.
Wer 2026 noch sagt „Ich schaue mal, wie sich das mit KI entwickelt“, unterschätzt die Geschwindigkeit der Veränderung.
Ihre Botschaft: Sanfte Klarheit – aber auch deutliche Konfrontation, wenn nötig.
Transformation braucht Führung. Und Führung braucht Mut.
Gesamtbotschaft des Trainings
Wenn wir gesellschaftlich, unternehmerisch oder projektbezogen wachsen wollen, müssen wir lernen:
- unterschiedliche Geschwindigkeiten zu moderieren
- Stabilität als Voraussetzung für Innovation zu verstehen
- Menschen individuell abzuholen
- Blockaden systemisch zu erkennen
- Sprache strategisch einzusetzen
- KI als Reflexions- und Analyseinstrument zu nutzen
- mutig zu führen
Erst wenn Stabilität und Geschwindigkeit miteinander arbeiten – statt gegeneinander – entsteht echte Entwicklung.
Zusammenfassung
Stabilität ist Voraussetzung für Geschwindigkeit. Projektstagnation entsteht durch Kommunikationsbrüche, nicht durch fehlende Kompetenz. Unterschiedliche Routinen und Ängste blockieren Entwicklung. Durch gezielte Charakteranalyse, bewusstes Wording und KI-gestützte Reflexion werden Menschen individuell abgeholt. Rollenklärung statt Schuldzuweisung aktiviert Performance. Führung bedeutet Verlangsamung, Stabilisierung und klare Konfrontation in Zeiten disruptiver KI-Transformation.
Katrin Friedel, Tag 02
Clever pitchen mit KI – Wie du Vertrauen aufbaust und echte Transformation verkaufst
In diesem Vortrag zeigt Katrin Friedl, wie Angebote nicht nur präsentiert, sondern wirkungsvoll gepitcht werden – klar, strukturiert und emotional überzeugend. Die zentrale Botschaft:
Lade dir hier die Präsentation zum Vortrag runter:
Menschen kaufen keine Produkte.
Menschen kaufen keine Dienstleistungen.
Menschen kaufen Lösungen – genauer gesagt: ihre eigene Transformation.
Gerade in einem Umfeld voller Expertise – KI-Strategieberater, Trainer, Transformationsmanager – geht es nicht darum, noch mehr Wissen zu zeigen. Es geht darum, dieses Wissen so zu kommunizieren, dass es beim Gegenüber ankommt und Vertrauen entsteht.
Die 5 Elemente eines erfolgreichen, cleveren Pitches
Starte mit einer Story – nicht mit Fakten
Keine Zahlen.
Keine Features.
Kein „Ich bin Expertin für …“.
Menschen denken in Bildern. Sie fühlen in Geschichten.
Eine nüchterne Aussage wie
„Durch KI-gestützte Workflow-Automatisierung ist eine 40-prozentige Effizienzsteigerung möglich“
erzeugt kaum emotionale Resonanz.
Eine Geschichte dagegen schon:
Eine Projektmanagerin, die freitags bis 22 Uhr arbeitet – und durch einen KI-Assistenten plötzlich wieder Sport macht und abends Energie für Freunde hat.
Der Unterschied?
Die Zielgruppe sieht sich selbst in der Geschichte.
Sie fühlt die Entlastung.
Sie erlebt die Transformation im Kopfkino.
Erkenntnis: Verkaufe nicht dein Wissen. Beschreibe die Veränderung.
Baue den Schmerz klar und empathisch auf
Pitching ist kein Informationsprozess.
Es ist ein Identifikationsprozess.
Allgemeine Aussagen wie
„Viele Unternehmen haben ineffiziente Prozesse“
bleiben wirkungslos.
Konkrete, greifbare Schmerzpunkte wirken:
Mitarbeitende kopieren täglich zwei Stunden manuell Daten zwischen Systemen.
Fehler entstehen.
Projekte bleiben liegen.
Umsatz geht verloren.
Motivation sinkt.
Wichtig:
Nicht anklagen.
Nicht mit dem Finger zeigen.
Sondern empathisch formulieren:
„Ich kenne diesen Schmerz. Ich habe ihn erlebt.“
Erkenntnis: Wer den Schmerz präzise trifft, erzeugt Vertrauen. Und Vertrauen ist die stärkste Währung im Vertrieb.
Teile dein Aha-Erlebnis
Nach Story und Schmerz kommt noch nicht das Angebot.
Zuerst kommt dein persönlicher Wendepunkt.
Dein Erkenntnismoment.
Dein Perspektivwechsel.
Beispiel:
Die Annahme, KI sei nur etwas für Großkonzerne – bis ein kleiner Handwerksbetrieb mit 12 Mitarbeitenden erfolgreich KI-Assistenten einsetzt.
Dieser Moment öffnet Denkgrenzen.
Er macht Mut.
Er zeigt: „Wenn das möglich ist, dann kann ich es auch.“
Erkenntnis: Dein Aha-Moment schafft Identifikation und öffnet die Tür für Veränderung.
Präsentiere dein Angebot in 3 klaren Schritten
Erst jetzt wird es konkret.
Die Struktur basiert auf den „3 I’s“:
Information
Sachliche Inhalte. Fakten. Klarheit auf kognitiver Ebene.
Interaktion
Erleben statt nur Zuhören.
Testen. Ausprobieren. Anwenden.
Inspiration
Reflexion.
Was macht das mit dir?
Was wird dadurch möglich?
Das Gehirn liebt Dreierschritte.
Struktur schafft Sicherheit.
Erleben schafft Überzeugung.
Erkenntnis: Gute Pitches sind nicht komplex – sie sind klar strukturiert.
Liefere Beweise – Social Proof
Selbst die beste Struktur braucht Glaubwürdigkeit.
Hier wirkt Social Proof stärker als jede Eigenwerbung.
Nicht: „Unser Tool verbessert die Meetingkultur.“
Sondern:
Eine konkrete Marketingmanagerin berichtet, wie sich durch den Einsatz von Hedy plötzlich stille Teammitglieder beteiligen, Meetings lebendiger werden und Follow-ups klar strukturiert sind.
Spezifisch. Messbar. Nachvollziehbar.
Erkenntnis: Lass andere für dich sprechen. Je konkreter, desto stärker wirkt es.
KI als Pitch-Co-Pilot
Ein Pitch entsteht nicht zufällig.
KI kann helfen bei:
- Strukturierung von Story, Schmerz und Angebot
- Formulierung klarer Botschaften
- Entwicklung persönlicher Aha-Momente
- Ausarbeitung von Social Proof
Dafür stellt Katrin ein Custom GPT sowie entsprechende Instruktionen bereit, mit denen jeder seinen individuellen, strukturierten Pitch entwickeln kann – angepasst an Produkt, Dienstleistung und Zielgruppe.
Live-Demonstration: Vom Framework zur Praxis
Im zweiten Teil des Vortrages wird das Framework live angewendet.
Ein Studiobetreiber wird spontan durch die Struktur geführt:
- Story aus der eigenen Motivation
- Schmerz seiner Zielgruppe
- Lösung klar formuliert
- Fokus auf Entlastung und Professionalität
Das Ergebnis: Ein authentischer, emotionaler Pitch – in nur einer Minute.
Die Botschaft dahinter: Die Struktur funktioniert. Und sie ist sofort anwendbar.
Fazit des Vortrages:
Ein guter Pitch verkauft nicht.
Er schafft Vertrauen.
Er zeigt Transformation.
Er verbindet Expertise mit Emotion.
Mit der 5-Schritte-Struktur
Story – Schmerz – Aha – 3 I’s – Social Proof
wird aus Fachwissen eine überzeugende Botschaft.
Und genau hier trifft KI auf Kommunikation:
Nicht als Ersatz für Persönlichkeit –
sondern als Verstärker von Klarheit.
Zusammenfassung
Story statt Fakten. Schmerz klar und empathisch benennen. Persönliches Aha-Erlebnis teilen. Angebot strukturiert in drei Schritten präsentieren: Information, Interaktion, Inspiration. Social Proof liefern. Menschen kaufen Transformation, nicht Wissen. KI unterstützt bei Struktur, Klarheit und Ausarbeitung eines überzeugenden, vertrauensbildenden Pitches.
Daniel Gwerder, Tag 02
„Maria: Conversational AI im realen Einsatz“
Dieser Vortrag ist kein theoretischer Deep Dive über KI – sondern ein ehrlicher, praxisnaher Erfahrungsbericht aus einem realen KMU-Umfeld. Daniel Gwerder zeigt anhand seiner digitalen Mitarbeiterin „Maria“, wie dialogbasierte KI im E-Commerce und Kundenservice nicht nur getestet, sondern erfolgreich in den Live-Betrieb gebracht wurde.
Vom Problem zur Lösung: Warum Maria entstanden ist
Ausgangspunkt war ein alltäglicher Engpass:
Überlastete Innendienstmitarbeiter, wiederkehrende Kundenfragen, fehlende Zeit für qualitative Arbeit.
Das Beispiel „Paola“ steht stellvertretend für viele Unternehmen:
- Kunden lesen keine Bedienungsanleitungen.
- Supportanfragen wiederholen sich.
- Mitarbeiter verlieren Energie durch Routineprobleme.
Die Erkenntnis:
KI darf nicht Spielerei sein – sie muss echte operative Entlastung bringen.
Kernprinzip: KI entfesseln – nicht einsperren
Ein zentrales Learning des Calls:
KI ist kein Tool. KI ist eine digitale Instanz – und sie muss bewusst integriert werden.
Viele Unternehmen:
- testen endlos,
- streben Perfektion an,
- blockieren sich durch DSGVO-Angst,
- trauen der Technologie nicht.
Daniel beschreibt klar:
- Perfektionismus ist ein Wachstumsblocker.
- Fehler sind Teil des Lernprozesses.
- DSGVO ist kein Hindernis, sondern eine Qualitätsschranke.
- Vertrauen entsteht durch Transparenz.
Nur 25 % intelligenter Bots sind wirklich live – der Rest steckt in der Testphase fest. Maria ging live.
Die drei Säulen einer funktionierenden Conversational AI
Der Aufbau von Maria basiert auf drei essenziellen Elementen:
Core (Technologische Basis)
- Systemprompt-Architektur
- Logik & Dialogstruktur
- Datenqualität
- Eskalationssicherheit
- Injection-Schutz
Wichtiges Learning: Fehler entstehen selten isoliert – sie entstehen im Dialogverlauf.
Man muss die Quelle im Gespräch analysieren, nicht nur einzelne Antworten korrigieren.
Präsenz
Menschen akzeptieren KI nur, wenn sie:
- Persönlichkeit besitzt
- Charakter hat
- konsistent agiert
- klare Grenzen kennt
Maria ist nicht „nett um jeden Preis“.
Sie korrigiert nicht opportunistisch.
Sie weiß, was sie darf – und was nicht.
UX im Dialog
- Vertrauen
- Klarheit
- Menschliche Ansprache
- Transparente Datenschutz-Kommunikation
- Saubere Eskalation zum Menschen
Jeder Klick ist ein Vertrauensmoment.
Vom Chatbot zur digitalen Mitarbeiterin
Maria ist:
- Chatbot
- Telefonbot
- Terminbuchungs-Agent
- Wissensvermittlerin
- E-Mail-Generator
- perspektivisch Live-Avatar
Sie:
- beantwortet Produktfragen
- hilft bei Supportfällen
- verlinkt Videos & Anleitungen
- erstellt Support-Tickets
- vereinbart Termine direkt im Kalender
- erkennt Injections und wehrt sie ab
Beispiel:
Bei 3.500 Sessions im Monat:
- 250+ generierte E-Mails
- nur ca. jede 10. Session mit Fehler
- Modellkosten: ~480 CHF
Ergebnis:
Mehr Zeit für qualitative Mitarbeiterarbeit – kein Jobabbau, sondern Aufwertung.
Interne Akzeptanz & Mindset-Shift
Ein entscheidender Erfolgsfaktor:
Mitarbeiter müssen mitgenommen werden – emotional, nicht nur technisch.
Maria wurde nicht versteckt.
Sie wurde offiziell ins Team integriert.
Was zunächst Skepsis war („Deine Traumfrau?“), wurde:
Akzeptanz → Interesse → aktive Nutzung.
Interne Anwendung führte sogar vor externer Nutzung zum Erfolg.
Skalierung & Zukunft
Maria ist nicht nur eine Lösung für ein Unternehmen.
Sie wird als skalierbares Modell für KMU positioniert.
Einsatzbereiche:
- Dienstleistung
- E-Commerce
- Support
- Wissensmanagement
- Onboarding
- Digitale Avatare
Nicht geeignet: Hochregulatorische Bereiche wie Medizin & Heilversprechen (Stand heute).
Zielbild: Ein WhatsApp-ähnliches Video-Interface, das empathisch, kompetent und lösungsorientiert agiert.
Strategische Erkenntnisse aus dem Call
- KI braucht Mut.
- KI braucht echte Daten.
- KI braucht klare Grenzen.
- Perfektion verhindert Fortschritt.
- DSGVO ist Qualitätsmerkmal.
- Fehlerquote sinkt durch Dialogverständnis.
- Skalierung beginnt im KMU.
- KI muss sichtbar integriert werden – nicht versteckt.
Zusammenfassung
Maria zeigt, wie dialogbasierte KI im KMU real live skaliert wird. Erfolgsfaktoren: klare Promptarchitektur, Datenqualität, Injection-Schutz, Transparenz, DSGVO-Bewusstsein, Mitarbeiterintegration und Mut zum Livegang. KI ersetzt keine Menschen, sondern erhöht Qualität und Effizienz. Von Chat über Telefonie bis Avatar – funktional, skalierbar, praxisbewährt.
Dirk Peters, Tag 02
KI in technischen Welten – Zwischen Skepsis, Verantwortung und Umsetzungskraft
Der Vortrag von Dirk Peters beleuchtet eindrucksvoll, warum Künstliche Intelligenz in technischen Berufswelten – insbesondere in der Elektrotechnik – deutlich langsamer Fuß fasst als in Marketing, Vertrieb oder Verwaltung.
- Kommunikation als Fundament
Zu Beginn wird klargestellt: 90 % unseres Wirkens ist Kommunikation. Alles kommuniziert – Sprache, Auftreten, Präsentation, Energie. Genau hier beginnt auch der Umgang mit KI: Wie sprechen wir darüber? Wie führen wir Menschen heran?
Die Realität in technischen Bereichen: 16 echte Stimmen aus der Praxis
Dr. Peters bringt reale Aussagen aus seinen Seminaren ein – keine KI-generierten Beispiele, sondern authentische Rückmeldungen aus der Elektrotechnik.
Typische positive Stimmen:
- KI spart enorm Zeit.
- KI hilft bei Textkorrekturen und Wissensaufbau.
- KI ist ein effizienter persönlicher Assistent.
- Besonders hilfreich bei Unterlagen, Fragenkatalogen und Gesetzestexten.
Typische kritische Stimmen:
- KI liefert unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage.
- KI verbreitet Unwahrheiten.
- Man lernt selbst weniger.
- KI-E-Mails wirken unpersönlich.
- Das Thema wird übertrieben gehypt.
- „Die KI hat gesagt“ ersetzt kein eigenes Denken.
Die zentrale Erkenntnis: Die Spaltung ist real – Begeisterung trifft auf tiefes Misstrauen.
Die fünf strukturellen Kernprobleme
Dr. Peters identifiziert fünf systemische Lücken, die den KI-Einsatz in technischen Welten hemmen:
- Nachhaltigkeitslücke
Techniker erwarten Präzision (230 Volt sind 230 Volt).
KI liefert jedoch bei identischer Anfrage unterschiedliche Ergebnisse.
Konsequenz: Vertrauensverlust.
Lösung:
Strukturierte Prozesse, definierte Use Cases, semantische Suche, stabile Systeme – nicht nur „Copilot freischalten“.
- Regelungsvakuum
In vielen Unternehmen existiert:
- Keine klare KI-Strategie
- Keine verbindlichen Richtlinien
- Keine klare Datenregelung
Mitarbeitende wissen oft nicht:
- Was darf ich eingeben?
- Welche Daten sind erlaubt?
- Wer definiert die Nutzung?
Datenschutz ist meist besser organisiert als KI.
- Verantwortungslücke
In der Elektrotechnik hängen Menschenleben und Sachwerte an Entscheidungen.
Eine „KI-Aussage“ ersetzt keine Fachverantwortung.
Die zentrale Frage:
Wer trägt die Verantwortung für KI-generierte Ergebnisse?
Antwort: Immer der Mensch.
Deshalb braucht es:
- Schulung
- Kompetenzaufbau
- Verständnis für Grenzen und Möglichkeiten
- Rechtliche Klarheit
- Die Vergessenen
Technikabteilungen werden in KI-Strategieprojekten oft übergangen.
Fokus liegt auf Marketing und Vertrieb – nicht auf operativen technischen Bereichen.
Dabei sitzen dort:
- Jahrzehnte an Erfahrung
- Hohe Fachkompetenz
- Große Bereitschaft zur Weiterentwicklung
KI-Transformation ohne Technik ist strukturell unvollständig.
- Datenchaos
Daten liegen verteilt auf:
- SharePoint
- OneDrive
- Teams
- Outlook
- SAP
- Lokalen Rechnern
- Papier
Ohne strukturierte Datenbasis keine wirksame KI.
Viele Organisationen sind nicht einmal vollständig digitalisiert – KI-Einsatz ist dann kaum möglich.
Zahlen aus der Praxis
Aus über 500 befragten Teilnehmenden – überwiegend Führungskräfte:
- KI-Nutzung im beruflichen Kontext: niedrig
- Hohe Unsicherheit
- Große Diskrepanz zwischen Event-Bubble und Realität
In einem Seminar hatten 12 von 20 Teilnehmenden noch nie mit KI gearbeitet – nicht einmal privat.
Praktische Anwendungsbeispiele
- Transkription von Anlagenbegehungen (z. B. mit Fireflies)
- Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen
- Nutzung von Perplexity für belastbare Quellen
- Einsatz von KI als Wissensbeschleuniger
Aber: Immer mit fachlicher Prüfung.
Das Rezept im Umgang mit Widerstand
Dr. Peters’ Ansatz ist klar:
- Kleine Schritte statt Überforderung
- Konkreter Mehrwert statt Hype
- Praxisnahe Use Cases
- Techniker ernst nehmen
- Vertrauen durch Kompetenzaufbau schaffen
Keine Überforderung. Kein Buzzword-Dauerfeuer. Sondern pragmatische Integration.
KI neu gedacht: Kölsch Intelligenz
Zum Abschluss eine starke Metapher:
KI steht nicht nur für „Künstliche Intelligenz“,
sondern für „Kölsch Intelligenz“.
Herz (KI-Technologie) + Seele (Mensch) = verantwortungsvoller Fortschritt.
Erst der Mensch macht KI lebenswert, verantwortungsvoll und vertrauenswürdig.
Zusammenfassung
KI ist in technischen Welten durch fünf Lücken gehemmt: Nachhaltigkeit, Regelung, Verantwortung, Vergessen der Technikabteilungen und Datenchaos. Vertrauen entsteht durch klare Strategien, strukturierte Use Cases, Schulung und kleine praxisnahe Schritte. KI unterstützt, ersetzt aber nicht Verantwortung. Entscheidend ist die Verbindung aus Technologie (Herz) und menschlicher Haltung (Seele).
Petra Wagener, Tag 02
Vom Kopf ins Herz – Führung, Menschlichkeit und der Mut, lebendig zu sein
Dieser Vortrag ist kein klassischer Vortrag – er ist eine Erfahrung. Petra Wagener nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise aus dem reinen Denken (Kopf/Kronos) hinein ins Fühlen (Herz/Kairos) – und weiter zum Sinn (Aion).
- Präsenz statt Funktionieren
Der Vortrag beginnt mit einer bewussten Aktivierung:
Seufzen als „Stuhlgang der Seele“ – ein kraftvolles Bild dafür, wie wir Stress loslassen und vom Kopf in den Körper kommen.
Die Botschaft ist klar:
Emotionale Präsenz entsteht in Sekunden – wenn wir es zulassen.
Durch einfache Experimente – Augenkontakt, Anerkennung, bewusstes Hinschauen – wird spürbar:
- Wann haben wir uns zuletzt wirklich gesehen?
- Wann haben wir einem Menschen echte Anerkennung ausgesprochen – jenseits von Oberflächlichkeiten?
- Wann waren wir selbst wirklich da?
Sokrates’ Zitat „Sprich, damit ich dich sehe“ wird zum Leitmotiv:
Es geht darum, Menschen nicht nur zu hören, sondern wahrzunehmen.
- Die drei Zeitqualitäten: Kronos, Kairos und Aion
Petra erklärt die drei griechischen Zeitformen:
Kronos – Die Deadline-Zeit
Termine, To-dos, Druck, Effizienz.
Hier verbringen wir rund 80 % unseres Tages.
Folgen: Stress, Enge, Cortisol, Ansteckung negativer Stimmung.
Kairos – Der richtige Moment
Die Gelegenheit beim Schopf packen.
Mut, Intuition, Lebendigkeit.
Wir sind selten hier – obwohl genau hier Innovation und persönliche Durchbrüche entstehen.
Aion – Der Sinn
Die Ewigkeit, der tiefere Lebenszweck.
Er fragt nicht nach Pünktlichkeit oder Kennzahlen, sondern nach Bedeutung.
Die zentrale Erkenntnis:
Nicht entweder-oder, sondern Balance.
Nur Kronos erzeugt Stress. Nur Kairos erzeugt Chaos.
Führung und Leben brauchen bewusste Integration aller drei Ebenen.
- Führung beginnt mit Sehen
Anhand ihrer eigenen Karriere bei Mannesmann Mobilfunk zeigt Petra:
Sie wurde mit 21 Jahren zur Filialleiterin – nicht wegen Erfahrung, sondern weil jemand ihr Potenzial gesehen hat.
Was war der Unterschied?
- Eine spürbare Unternehmensseele
- Identifikation
- Stolz
- Vertrauen
- Förderung von Potenzial
Führung heißt:
Menschen so fördern, dass sie gehen könnten – und sie so behandeln, dass sie bleiben wollen.
(Richard Branson)
Der entscheidende Differenzierungsfaktor in Zeiten von KI:
Wirkliches Hinsehen.
KI kann analysieren.
Aber sie kann keinen Menschen in seinem Kern erkennen.
- Die alarmierenden Zahlen
Petra konfrontiert mit aktuellen Studien:
- Nur 9 % sind emotional mit ihrem Arbeitgeber verbunden.
- Nur 21 % vertrauen ihrer Führungskraft (früher 49 %).
- Nur etwa die Hälfte der Führungskräfte besucht überhaupt Führungsseminare.
Die Ursache?
Nicht fehlende Tools.
Nicht fehlende Prozesse.
Sondern fehlende Präsenz, fehlende Verbindung, fehlende Menschlichkeit.
- Vertrauen statt Kontrolle
Die Geschichte des griechischen Taxifahrers („Taxameter gut – Vertrauen besser“) wird zur Metapher:
Wer „trocken bleiben“ will, erlebt das Leben nicht. Wer nur Sicherheit sucht, verpasst Kairos.
Vertrauen ist ein Risiko – aber ohne Risiko keine Lebendigkeit.
- Die persönlichste Botschaft
Der emotionalste Moment des Vortrages:
Nach dem Tod ihrer Mutter findet Petra einen Zettel: „Es ist zu spät, neu anzufangen. Ich bin über 50.“
Ihre Mutter lebte im Kronos – funktionierend, arbeitend, sicher. Mit 54 starb sie.
Diese Erfahrung ist Petras Antrieb: Lebendig sterben statt tot leben.
Jetzt ist immer der richtige Zeitpunkt. Nicht morgen. Nicht „wenn ich bereit bin“. Jetzt.
- Neugier als Lebensmotor
Die blaue Regentonne ihres Großvaters wird zur Symbolik:
Ein Kind springt hinein – aus Neugier.
Ein Erwachsener bleibt sitzen – aus Sicherheit.
Neugier ist:
- Der größte Antrieb
- Der stärkste Glücksfaktor
- Der Zugang zu Kairos
- Die Brücke zu Aion
- Nachhaltigkeit: Wie bleibt es nicht nur Inspiration?
Petra’s Antwort ist radikal einfach:
- Sei da.
- Spüre dich.
- Geh in den Körper.
- Spring rein.
- Warte nicht auf Sicherheit.
Wenn Stress kommt: Nicht kämpfen.
Bewusst unterbrechen.
Atmen. Bewegen. Wahrnehmen.
- Der wahre Durchbruch
In einem weiteren persönlichen Moment beschreibt Petra, wie sie sich beweisen wollte – mehr Struktur, mehr KI, mehr Kopf.
Ein Mentor fragte sie:
„Wo siehst du mich?“
Die Antwort:
„Dort, wo es Menschen gut geht.“
Ihr Durchbruch war nicht mehr Technik –
sondern Klarheit über ihren Kern.
Ergebnis:
- Neues Buch
- Klarer Fokus
- Verdreifachter Umsatz
- Authentizität statt Beweisdrang
Essenz des Vortrags
Dieser Vortrag ist ein Appell:
- Raus aus Dauer-Kronos
- Mehr Kairos wagen
- Aion nicht vergessen
- Menschen sehen
- Vertrauen statt Kontrolle
- Neugier statt Sicherheit
- Jetzt statt später
Und vor allem: Lebendig leben.
Zusammenfassung
Kronos (Druck) dominiert unseren Alltag, Kairos (Moment) bleibt ungenutzt, Aion (Sinn) wird vergessen. Führung beginnt mit echtem Hinsehen und Vertrauen. Emotionale Bindung entsteht durch Präsenz, Anerkennung und Förderung von Potenzial. KI kann analysieren – aber nicht fühlen. Neugier statt Sicherheit führt zu Lebendigkeit. Jetzt ist immer der richtige Zeitpunkt. Lebendig leben statt tot funktionieren.
Tanja Huck, Tag 02
Vom KI-Workshop zum marktfähigen Produkt: Die Entstehung von „Chatbrot“
In diesem besonderen Vortrag wird nicht nur eine Teilnehmerin gewürdigt – es wird eine echte Transformationsgeschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht Tanja Huck, Geschäftsführerin der Bäckerei Huck, die sich früh und konsequent auf das Experiment KI eingelassen hat.
Ausgangspunkt: Vom KI-Café zur KI Mastery
Im Januar wurde die KI Mastery Workshop Serie gestartet – als strategischer Übergang von Inspiration hin zu konkreter Umsetzung. Tanja Huck buchte nicht nur einen Workshop, sondern direkt die gesamte Serie. Ein klares Signal: Wenn schon, denn schon. All-in.
Die Idee: Ein KI-generiertes Brot
Inspiriert vom „Iconic Coffee“ – einer durch KI entwickelten Kaffeemischung aus Finnland, die drei Bohnensorten kombiniert – entstand die Vision eines KI-generierten Brotes. Die zentrale Frage:
Was passiert, wenn wir KI nicht nur analysieren, sondern kreativ entwickeln lassen?
Die Umsetzung: Sieben Gruppen – sieben Konzepte
In einer KI Masterclass wurden sieben Breakout-Räume gebildet. Jede Gruppe erhielt den Auftrag, ein Brotkonzept zu entwickeln.
Die Ergebnisse waren keine simplen Rezeptvorschläge. Es entstanden:
- Märchenhafte Brotideen
- Neuinterpretationen historischer Rezepte
- Innovative Portionskonzepte für Singles
- Neue Formen, neue kulturelle Einflüsse
Die größte Herausforderung war nicht die Kreation – sondern die Entscheidung.
Die Entscheidung: Mut zur Andersartigkeit
Tanja und ihr Team wählten bewusst ein Konzept mit asiatischem Einfluss – eine Kombination, die klassisch ausgebildete Bäckermeister als „nicht machbar“ bezeichnet hätten.
Doch genau hier lag die Essenz des Trainings:
KI denkt außerhalb gewohnter Meistergrenzen.
Mit minimalen Anpassungen (z. B. Honig entfernt für vegane Ausrichtung) entstand nach nur zwei Testläufen ein marktfähiges, außergewöhnliches Produkt: das Chatbrot.
Das eigentliche Learning: KI ist ein Ökosystem
Aus dem Brot entstand in nur einer Woche ein komplettes Marketing- und KI-Ökosystem:
- Website (Chatbrot.de)
- Chatbot
- Telefonbot
- KI-Avatar
- Pressearbeit
- Internationale Berichterstattung
- Experten-Kollaboration aus der Masterclass
Das Projekt wurde zum Community-Case.
Aus Teilnehmenden wurden Mitgestalter.
Aus einer Idee wurde Sichtbarkeit – sogar über Landesgrenzen hinaus.
Unternehmerische Transformation
Ein journalistischer Satz brachte es auf den Punkt:
„Sie hat sich selbst wegrationalisiert – seitdem läuft es richtig gut.“
Tanja delegiert operative Aufgaben und fokussiert sich auf strategische Themen. KI wurde nicht Spielerei, sondern Führungsinstrument.
Nachhaltigkeit & Realität
Chatbrot ist weiterhin im Sortiment.
Nicht immer dominant im Verkauf – denn:
Der deutsche Markt ist traditionsbewusst. Lieblingsbrote werden nicht leicht ersetzt.
Doch:
- Im Sommer steigt die Nachfrage
- Stammkunden lieben es
- Das Produkt lebt weiter
Und als starkes Symbol:
An einem der umsatzstärksten Tage wurde das Brot nicht verkauft – sondern exklusiv der Community geschenkt. Ein Zeichen für Wertschätzung und Verbindung.
Zentrale Erkenntnisse aus dem Vortrag
- KI entfaltet ihr Potenzial durch mutige Anwendung, nicht durch Theorie.
- Innovation entsteht, wenn Community, Technologie und Umsetzung zusammenkommen.
- Die wahre Herausforderung ist nicht die Idee – sondern die Entscheidung.
- KI kann Branchenlogiken durchbrechen.
- Geschwindigkeit entsteht durch Kollaboration.
- Unternehmerischer Erfolg entsteht durch Fokus auf Wesentliches.
- Nachhaltigkeit bedeutet: Produkt + Story + Ökosystem.
- Umsetzung schlägt Inspiration.
Zusammenfassung
Der Vortrag zeigt anhand des „Chatbrot“-Projekts, wie aus einer KI-Workshop-Idee ein marktfähiges Produkt entsteht. Sieben Gruppen entwickelten Konzepte, eine mutige Entscheidung führte zur Umsetzung. Daraus entstand ein komplettes KI-Marketing-Ökosystem mit Website, Bots und Presse. Zentrale Learnings: Mut zur Andersartigkeit, Community-Power, Umsetzungskraft, strategische Delegation und KI als echter Innovations- und Führungshebel.
